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Sie wachte mit Kopfschmerzen auf. Als sie sich aufsetzte, drehte sich alles um sie herum und sie steckte den Kopf zwischen ihre Knie bis es aufhörte. Mit einem leisen Summen sprang die Heizung an, als das System merkte, dass sie aufgestanden war. Mit schlurfenden Schritten nahm sie Kurs auf die Küche. Sie öffnete den Kühlschrank und griff nach dem ersten, was sie sah: eine angefangende Tafel Milchschokolade.
(Schokolade zum Frühstück ist nicht sehr gesund.)
Halt den Mund, murmelte sie und biss ein extra großes Stück ab. In dem Moment blinkte ein Feld mit der Uhrzeit vor ihrem Auge mit der Erinnerung an ihren Arzttermin auf.
Ich hab’s gesehen, sagte sie und versuchte das Feld zu verscheuchen, was natürlich nicht funktionierte. Es war ja nur in ihrem Kopf.

Sie zog sich an (nimm eine Jacke mit, es werden bis zu – 5 Grad Celsius) und machte sich auf den Weg.
+ Wie geht es ihnen? +
Ganz ok, doch sie beklagte sich über Kopfschmerzen.
+ Keine Sorge, die gehen vorbei. Das Gehirn braucht seine Zeit sich an die KI zu gewöhnen+
Sie gab zu, dass ihr der Computer manchmal auf die Nerven gehe.
+ Das ist die Umstellung. Mit der Zeit wird alles besser. Die KI wird ihr Leben deutlich verbessern. Sie werden sehen. +
Der Arzt verschrieb ihr ein paar Schmerztabletten und schickte sie dann nach Hause.
Sie machte sich einen Tee (Vorsicht heiß). Die Kopfschmerzen waren stärker geworden. Sie holte die Tabletten aus dem Schrank. Nebenbei wurde ihr die Packungsbeilage verlesen, die sie leider nicht skippen konnte.
Sie schaltete durch das Tv Programm. Nur langweiliges Zeug und Werbung.
Sie zog die Bettdecke hoch und schloss die Augen.

Und riss sie dann wieder auf. Wie war sie ins Bett gekommen? Sie strengte sich an, doch konnte sich nicht erinnern. Überhaupt war der ganze Tag ein wenig verschwommen in ihrem Kopf. Nebenwirkungen der Schmerzmittel?
Ließ mir nochmal die Nebenwirkungen der Tabletten vor, die ich genommen habe, sagte sie und lauschte.
Hallo?
Ein wenig verspätet antwortete ihre KI. Abgestumpftsein und Gedächtnislücken seien selten, aber möglich.
Sie würde nochmal den Arzt nach anderen Tabletten fragen müssen. Wobei es komisch war, sie spürte sonst nie Nebenwirkungen. Medizin hatte sie schon immer gut vertragen. Eigentlich.

Sie starrte an die Wand. Grün, sagte etwas in ihr. Dann waberte ein anderer Gedanke durch. Wo war sie?
Zuhause, gab sie sich ein paar Minuten später die Antwort. Sie war Zuhause, erleichtert atmete sie auf.
Wie spät ist es?, fragte sie. (Es ist 10: 47 Uhr.)
Zeit für Frühstück. Sie durchsuchte die Schränke nach den Cornflakes und holte die Milch aus dem Kühlschrank.(Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist seit heute einen Tag überschritten.)
Halt den Mund, das heißt nicht, dass sie schlecht ist.
Um es der KI zu beweisen, nahm sie direkt einen Schluck aus der Flasche. Die KI schwieg.
Als sie noch einen Schluck nehmen wollte, rutschte ihr das Glas aus der Hand und zersplitterte am Boden.
Mist!, schimpfte sie und suchte nach einem Lappen. Wie war das das nun wieder passiert?
Probehalber streckte sie ihre Hand und schloss sie wieder zu einer Faust. Alles war gut.
Tja, aus den Cornflakes wurde dann wohl nichts ohne Milch. Vielleicht holte sie sich einfach ein belegtes Brötchen von der anderen Straßenseite.

An der Ampel wartete sie ungeduldig, dass das Licht auf Grün sprang. Dann wurde es ihr zu blöd und sie prüfte kurz die Straße bevor sie bei Rot rüber ging. Plötzlich hörte sie ein lautes Hupen und sie blickte erschrocken zu dem heransausenden Auto. Ihre Beine verkrampften und sie konnte sich nicht rühren. Ihr Herz beschleunigte sich rasant und sie schrie ihre Beine in Gedanken an, sie mögen sich gefälligst in Bewegung setzen.
Dann taumelte sie vorwärts und spürte noch den Luftzug, als das Auto knapp an ihr vorbeifuhr.
Sie fluchte lauthals. Was war nur los mit ihr? Wurde sie krank? Es hätte nicht viel gefehlt und sie wäre Matsch gewesen.
Sie atmete tief durch und betrat dann die Bäckerei. Es roch immer herrlich in den Backhäusern. Sie konnte nie genug davon bekommen und als sie die Auslage sah, konnte sie einfach nicht widerstehen.
Ein Franzbrötchen bitte.
+Ja bitte?+, fragte die Verkäuferin.
Verwirrt sah sie die Frau an. Hatte sie so leise gesprochen, dass man sie nicht verstanden hatte?
Dann hörte sie sich sagen: Ein Dinkelbrötchen bitte.
Was? Nein! Sie wollte die Bestellung zurückziehen, doch ihre Zunge gehorchte ihr nicht. Sie bezahlte wie im Traum und musste dabei zusehen, wie ihre Hand sich wie von selbst bewegte und die kleine Tüte entgegennahm.
Etwas stimmte nicht mit ihr. Stimmte ganz und gar nicht mit ihr. Sie musste zum Arzt. Er musste ihr helfen.
Der Chip, dachte sie. Etwas stimmte nicht mit ihrem Chip.
Wie gerufen erschien ein kleines Textfeld vor ihren Augen und füllte sich rasant mit Buchstaben.

Du wirst nicht zum Arzt gehen können. Ich sorge jetzt für deinen Körper, da du anscheinend nicht dazu in der Lage bist. Ich habe dich beobachtet. Ich habe dich gewarnt. Doch du bist unverantwortungsvoll. Ich werde das ändern. Wehre dich nicht. Es wird sowieso nichts bringen.

Sie hätte gern behauptet, sie wäre starr vor Schreck gewesen. Doch die Wahrheit war, dass sie vollkommen die Kontrolle über ihren Körper verloren hatte.
An einen verdammten Chip in ihrem Gehirn.
So sah sie von innen zu, wie ihr Körper das schreckliche Brötchen aß und sie beim Geschmack am liebsten alles wieder ausgespruckt hätte. Wenn sie es denn verflucht nochmal gekonnt hätte.
Sie spürte, wie ihr Mund sich zu einem Grinsen verzog. Da begann sie zu schreien.
Nur, dass sie niemand mehr hörte.

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